Weinland Wagram

WagramLogo

Ein Landstrich entlang des nördlichen Donauufers Niederösterreichs, zwischen Kamptal und Schmidatal gelegen, welche im 12.Jhdt. durchs Stift Passau als "Wachrain" (vom ahdt. Wogenrain) definiert wurde. (Siehe auch Presseartikel v. 1896)
 

 

A. Weinbaulich

PartnersteinFels.gif (51124 Byte)Insgesamt sind es ca. 25 Ortschaften mit Beinamen "am Wagram", die sich alle um die Mutterpfarre Kirchberg am Wagram gruppieren und mit dem Weinbau befassen, etwa 2500 ha Rebfläche, davon stellt Fels am Wagram alleine 850 ha und erntet etwa 1 % des gesamten österr. Weines. Der Wagram ist Teil des Weinbaugebiets Donauland mit mehr als 4/5 der Fläche und 90 % der abgefüllten Flaschen. Es ist Teil der durchgehenden Rebfläche zwischen Spitz und Absdorf 50 km längs des Flusses.

NACH OBEN

B. Geologisch

gesehen ist er nur ein 30 km lang in West - Ost - Richtung verlaufender Höhenzug entlang der Donau, der sich nach Süden ins Donautal der Sonne zuneigt und nach Norden terassenförmig ansteigt Dieser Süd-Abhang entlang des Donaunordufers steigt an der Grenze zum Kamptal von 200 Meter auf 370 Meter Seehöhe an. Hier stößt auch der "Manhartsberg" vom Norden an das Donautal, er ist die Grenze vom Granit- u. Gneisgebiet der böhmischen Masse (ein altes abgetragenes Gebirge, das seit etwa 250 Mio Jahren durchwegs landfest blieb) zur Molassezone (mit Ablagerung angefüllter, einige 1000 Meter tief abgesunkener (Meeres)Trog. Er ist auch eine Wettergrenze. Seine Höhen sind heute Waldgebiet, seine Abhänge waren rundum im Tertiär von einem tropischen Meer umspült (Austern- u. Haifisch-Fossilien in Fels am Wagram), heute stehen dort Weingärten.

An den höchsten Standorten (350 - 370 m) befinden sich sandig-schottrige Böden, 2 - 7 Mio. Jahre alte Ablagerungen der Urdonau , die sie sich von Nord nach Süd verlagerte, bei Wien durchbrach und sich schließlich ihr heutiges Tal graben konnte.

Stellenweise schauen Meeressande an die Oberfläche, Relikte des tropischen Meeresarmes im Tertiär, 25 - 18 Mio. Jahre alt und meist voller Fossilien.

4 Eiszeiten schütteten Schotter an, schnitten das Tal ein und der Wind verfrachtete den Staub des Gletschergerölls als "Lößboden" meterdick zu den Südosthängen. Mammutfunde vom Wagram sind im Wiener Naturhist.Museum zu bewundern.

Der Gneissockel tritt an mehreren Stellen an die Oberfläche, etwa zwischen Engabrunn und Fels neben der Bahn (200 m) und in Fels in einer Weinriede namens Dorner (230m). Der Ort Fels am Wagram steht auf Löß und Geröll der Schmelzwässer der Mindeleiszeit (2.EZ, 500.000J.), ganz unten 4 m tief liegen Felsen mit 100 - 300 kg, die mehr als 100 km gerollt wurden.

NACH OBEN

C. Historisch (ein paar Fakten)

ist der Wagram ein Gebiet, welches laut Passauer Chroniken vor 900 Jahren, also im 12 Jhdt. als "Wachrain" (= Wogenrain) erstmals als Gebiet benannt wurde, die vorgeschichtlichen Spuren reichen aber viel weiter zurück.

Der heutige Mensch in Europa ist Produkt der 4 Eiszeiten und Zwischeneiszeiten: Der Fund einer 35.000 Jahre alten Skulptur einer schlanken tanzenden Frau ("Fanny") in Stratzing bei Krems gibt 1.Zeugnis vom Menschen in der Donauregion, bekannter ist die "Venus von Willendorf", eine rundliche Fruchtbarkeitsfigur, etwa 30.000 Jahre alt. Fallgruben und Mammutzahnfunde in Gösing lassen rekonstruieren: urgeschichtliche Mammut-Jäger wanderten entlang des Wagrams trockenen Fußes, während tiefer unten die Donauarme flossen und die Besiedlung behinderten. Während der letzten Eiszeit war das Klima auch etwas ansprechender hier als in den Alpen und Voralpen. Fels am Wagram steht deshalb auf einer stets trockenen Schotterterasse ca.30m höher als die Flüsse, um vor Überflutung geschützt zu sein. (...zB."Jahrtausend"Hochwasser 2002 Donau-Kamp)

Die Weintrauben wurden nachweislich schon vor 2.700 Jahren von den Kelten genutzt, Traubenkerne in Grabbeigaben um 700 v.Chr. ähneln Sylvaner und Chardonnay, jüngere um 400 v.Chr. wirken wesentlich primitiver, die Zeiten wurden schlechter. Die 200 Hockergräber aus der Bronzezeit (ca.1.000 v.Chr.) in Fels am Wagram nahe dem heutigen Friedhof bezeugen eindrucksvoll die damalige hohe Siedlungsdichte. Es gab Handelsbeziehungen mit den Griechen, Münzen aus dem Reich Alexander d.Großen. Entlang des Wagram waren viele Siedlungsstätten, Kellergrabungen fördern vieles zutage, nicht alles wird gemeldet. (Erst unlängst fanden sich 200 m südlich unseres Weinhofes vergrabene Kupferscheiben - ein vergessener Keltenschatz ?)

Die Römer brachten mit ihrer Kultur und den neuen Stätden dem Weinhandel wieder große Bedeutung, die Nordgrenze - "Der LIMES" - verlief hier entlang der Donau, zwischen Fels und Feuersbrunn fand man Reste eines Vorpostenturmes.

 Viele Weingärten verschwanden aber wieder durch die Unruhe der Völkerwanderung, die kriegerischen wandernden Germanenhorden hatten zum Weinbau keine Affinität. Der Hl.Severin in Mautern wirkte positiv in dieser Zeit.

Erst mit dem ostwärts sich ausdehnenden fränkischen Reich kam wieder Ruhe, Wohlstand und Nachfrage nach Kultur und gutem Weine. Alle paar Jahrzehnte wurde die Fürstenresidenz weiter ostwärts verlegt, bayrische Siedler gelangten auch ins Land - die bayrischen Klöster wurden mit den von Awaren eroberten Gebieten bestiftet und gaben der Gegend entlang der Donau mit dem Weinhandel die wirtschaftliche Basis. Stift Passau war spätestens ab 1100 mit dem Wagram, damals Wachrain (=Wogenrain) genannt, verbunden, damals war die Residenz gerade in Tulln, später in Klosterneuburg. Die Passauer hatten Filialstifte donauabwärts bis nach Ungarn. Es wurden Lesehöfe errichtet, unwürdige (heunische) Rebsorten entfernt und wertvolle gefördert (fränkische), Weinbaumethoden verbessert. In Fels war die Hälfte der Weingärten- u. Ackerflächen von Adeligen und die Andere kirchlich bewirtschaftet. Die Donau bot sich an als idealer Transportweg, nun wurden Güter auch stromaufwärts mit Pferden gezogen.

HohenemserBuch Nibelungenlied A u.C, wiederentdeckt 18Jhd.Die Entstehung und Handlung vom berühmten "NIBELUNGENLIED" ist auch teilweise mit unserer Gegend verbunden, es erzählt auch über  historische Hintergründe im Donauraum der damaligen Diözese Passau, auf Grund seiner inhaltlichen Gestaltung durchaus ein Werk der Zeit um 1200, stoff- und sagengeschichtlich tlw. bis ins 5.Jahrhundert (Völkerwanderung) zurück . Es spricht vieles dafür, daß das 'Nibelungenlied' von seiner Entstehung her mit Passau beziehungsweise mit dem Großraum der mittelalterlichen Diözese Passau in Verbindung zu bringen ist, die damals unter anderem auch Wien einschloß. Als Auftraggeber und Mäzen des unbekannten Dichters des 'Nibelungenliedes' ist mit großer Wahrscheinlichkeit Wolfger von Erla anzusehen, der von 1191 - 1204  Bischof von Passau war. Mehr Details hier...

Der christliche Glaube und der Wein sind untrennbar verbunden, es wurden am Wagram und in weiterer Umgebung viele Sakralbauten, Klöster und Kirchen geschaffen, die heute noch sehr imposant an markanten Punkten an die damalige Macht und Wirtschaftskraft der Kirche erinnern. Melk und Göttweig sind nur 2 Beispiele für viele Kulturschätzen. Am Wagram ist die prunkvollste Kirche die barocke Wallfahrtskirche von Kirchberg am Wagram - Maria Trost- welche so wie alle anderen 300 Jahre alte Ölbilder von Martin Johann Schmidt ("Kremser Schmidt") beinhaltet, der von Grafenwörth abstammt, ein Ort zwischen Donau und Feuersbrunn am Wagram. Letzterer Ort ist Geburtsort von Konrad von Fussesbrun, einer der bekannten Minnesänger um 1200. Der große Baumeister Fischer von Erlach ist mehrmahls verewigt: Schloss Thürnthal (bei Fels), Kirche Großweikersdorf. Das Schloss Grafenegg ist im 18.Jhd. neugotisch erbaut worden und ein absolut sehenswerter Besichtigungspunkt 3 km südlich von Feuersbrunn am Wagram.

Weinbauliche Tiefpunkte waren die Zeit um den 30-jährigen Krieg (polit. Krisen, Armut, Zerstörungen, wirtschaftl. Depression) und im 19.Jhd. die neu eingeschleppten Rebkrankheiten Reblaus, Peronospora und Mehltau, die Erträge minimal, alte Sorten erforderten dringend die Durchselektion und Bereinigung von schlechtem Erbmaterial. Der Wegfall der Reichsgebiete im Zuge des 1. Weltkrieges, Zerfall der Donaumonarchie, Weltwirtschaftskrise und später die Zerstörungen des 2. Weltkrieges hatten schwerwiegende Rückschläge zufolge. In der 10jährigen russischen Besatzungszeit wurden leider nahezu alle Weinarchive zerstört (z.B. Weinbauschule Klosterneuburg, von 1870 aufwärts). Und trotzdem haben wir heute eine Dynamik von vitalen Weingütern, welche mittlerweile weltweit anerkannt wird. Heute exportieren wir mehr Qualitätswein in Flaschen  als jemals zuvor, denn unser Weinbau ist heute wieder auf dem richtigen Kurs. Nur der gute Wein im Glas hat Zukunft.

NACH OBEN

D. Flora - Fauna   (bitte anklicken)BIENENFRESSER

vom Wagramland ist ökologisch etwas ganz besonderes durch die geschützte Exposition und Geographie und kleinstrukturierte Landwirtschaft.

Was uns früher selbstverständlich erschien, wird leider jetzt immer rarer: deswegen haben für wir einige Bilder von unseren "Haustieren" und Pflanzen eine eigene Seite eingerichtet.

Durch Betätigung einiger Experten in unserer Region wurde uns mehr und mehr die Besonderheiten unserer Natur (Hohlwege, Trockenrasen) bewußt, drum möchten wir hier den Punkt Flora - Fauna nicht unerwähnt lassen. Der nebenstehende Vogel besiedelte z.B. im Mitterweg - Traminerweingarten unsere Traktorauffahrt.

E. Ein Artikel in der "Allgemeine Weinzeitung" , anno 1895

Artikel1895.gif (8404 Byte)

"Eine Weinkost in Fels am Wagram":

"Die Gemeinde Fels liegt im Mittelpunkt des ausgedehnten Weinbaugebietes und Hügelzuges des "am Wagram" bezeichneten Weingebirges, welches Weinbaugebiet sich von Absdorf einerseits beginnend bis nach dem bei Hadersdorf beginnendem breiten Kampthale längs der Eisenbahnlinie Absdorf - Krems dahinzieht; dieses gesammte Weinbauhügelland, welches zwischen zwei fast parallel laufenden Thälern und Thaleinschnitten liegt, ist sehr bedeutend und umfaßt eine große Production guter, brauchbarer und für den Bedarf des Wiener Marktes sehr gesuchter Weine. In diesem Weingebirge besitzt die Gemeinde Fels an 3.000 Weingartenvierteln (á 14 Ar) mit einer durchschnittlichen Jahreslese von 3.000 österreichischen Eimern (á 56 l). Der Rebensatz ist fast durchgehends der rothe Veltliner, hier allgemein als Rothmuscateller bezeichnet, eine Rebensorte, welche einen kräftigen starken, süffigen Wein erzeugt, aber in der Blüthezeit sehr empfindlich ist, durch Spätfrost leicht geschädigt wird und vielfach vom Ausreisen oder Abfallen der Büthe und Beeren leidet, wodurch öfters die gesammte Lese bedeutend vermindert wird; theilweise, wenn auch in geringerer Ausdehnung, ist auch die grüne Veltliner Traube hier vertreten und in reinen Sätzen angebaut. In den letzten fünf Jahren ist in diesem Gebirge auch die Peronospora energisch zu bekämpfen gewesen. In der Gemeinde Fels besteht ein sehr eifrig wirkendes landwirthschaftliches Casino, das sich in erster Linie die Hebung des Wein- und Obstbaues, beides hervorragende Culturzweige der hierortigen Landwirthschaft, zur Aufgabe macht und bereits in früheren Jahren (1893) durch Veranstaltung einer sehr gelungenen Obstausstellung und eines Marktes ... Rund um den Ort besteht ein Obstbaumgürtel...Um Felser Weine erweiterten Absatz zu verschaffen, veranstaltete das Casino daselbst am 6. Februar eine sehr reich beschickte und von Weineinkäufern aus Nah und Fern gut besuchte Weinkost zu Fels. Insgesamt kamen zu dieser Weinkost 160 Kostproben , ausschließlich Felser Producte, und waren an 4.000 hl zum Verkaufe angemeldet; diese Kostproben umfaßten die Jahrgänge 1887, 1889, 1890, 1891, 1892, 1893 und 1894, die letzten beiden Jahrgänge in der größeren Zahl, fast ausschließlich Weißwein. Obwohl einige wenige Rothweine zur Kost kamen, ist die Felser Weinproduction doch fast nur auf Weißwein konzentriert. Die Preise stellten sich von 20,5 Kronen, die gebräuchlichste Art des Verkaufes, bis 30 Kronen/e. Obwohl es nicht möglich war, alle aufgestellten Weinproben durchzukosten, mögen doch noch als besonders gute Producte hervorgehoben sein: 1894 von Franz Ehrentraut, sowie ein 1893er von Ignaz Schuh, 1893er von Karl Ehrentraut, 1887 von Ignaz Wöber, ein ganz vorzüglicher Heuriger 1894er und ein 1893er von Johann König; KönigJohannSen.jpg (8555 Byte)die letzteren zwei Weine zeichneten sich durch sehr gute Kellerbehandlung aus und lieferten den Beweis, was durch rechtzeitiges mehrmaliges Abziehen des Weines erreicht werden kann. Weiters sind zu nennen: 1894er und 1893er von Johann Mantler, 1887er, 1893er und 1884er von Susanna Schuh, 1894er von Johann Huber, 1894er von Anton Köberl, sehr gut in der Qualität. Durchgehends - und es ist die besonders zu bemerken - ist die Reinheit der zur Kost gebrachten Weine hervorzuheben, sowie die heute im Handel beliebte, nicht dunkelrothe, sondern lichte Färbung (grünlicher Ton) der Felser Weine. Im Allgemeinen ist der Charakter derselben als mehr milder und würziger, jedoch kräftiger voller Tischwein sowie Schankwein zu bezeichnen..."

Der hervorgehobene Winzer Johann König war mein UrUrgroßvater ! (Foto )

NACH OBEN

Alter Winzerkeller - Schlafen auf dem Lande

steht in Kirchberg am Wagram,das ist unsere Gebietsvinothek, die Sie während des ganzen Jahres zwecks Weinkauf besuchen können. Sie können für den Betrag von ÖS 50.- die gesamte Weinpalette durchkosten, das sind ca. 70 Spitzenweine (weiß, rot, süß).

Es stehen darin zum Übernachten 6 wunderschöne Doppelzimmer mit allem Komfort zur Verfügung. (ca. ÖS 950.-)

Er wurde renoviert von dem Künstler Hrn. Ernst Vogel , der diesen betreibt und auch Malkurse abhält. Nähere Anfragen diesbezüglich richten Sie bitte an folgende Adresse:

"Alter Winzerkeller", Rossplatz1, Kirchberg am Wagram Tel.02279/50210      Fax.02279/502119

NACH OBEN