Abstammung des GruenerVeltliner

Von den europ.Edelreben sind einige Tausend Variationen bekannt, welche allesamt durch die züchterische Bestrebung des Menschen geschaffen wurden und mit den Zivilisationen mitwanderten - vom Kaukasus nach Persien, Ägypten, Griechenland, Rom, Abendland, neue Welt. Vieles lag im Dunkel der Geschichte verborgen, bis die Biotechnik Mitte der 90er es schaffte, anhand von DNA-Vergleichen Verwandtschaftsverhältnisse wissenschaftlich eindeutig  zu entwirren - in Klosterneuburg wurde die Rebensorten genauer untersucht und man kam auf z.T. überraschende Ergebnisse ! Da das Wissen noch sehr jung ist, könnten noch einige Geheimnisse erst gelüftet werden.

Zum Veltliner allgemein :

Stichwort: Grüner Veltliner 

Weisse Rebsorte. Synonyme: Grüner, Weissgipfler, früher irrtümlich auch Grünmuskateller, Manhardsrebe, Veltliner, Zleni Veltinac (ehem. Jugoslawien), Veltlinske zelené (Tschechien), Veltlini (Ungarn). Seine Herkunft ist unbekannt. Zwar gibt es andere Veltliner-Typen wie den Roten, Frühroten oder Braunen Veltliner, die bis in die Römerzeit zurückverfolgt werden können, der Grüner Veltliner ist mit diesen Sorten botanisch aber nicht verwandt. Die Rebsorte war aber möglicherweise schon den Römern bekannt. Kaiser Augustus soll bereits Veltliner aus der Gegend des heutigen Tirol getrunken haben. Auch aus fränkischen Kellerbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts gibt es Hinweise auf Veltliner. Urkundlich kann der Grüne Veltliner erstmals im 18. Jahrhundert im nördlichen Niederösterreich nachgewiesen werden. Allerdings wurde die Rebsorte damals Grüner Muskateller genannt. Diese Bezeichnung wurde fälschlicherweise bis in die 1930er Jahre verwendet. Seinen eigentlichen Siegeszug trat der Grüne Veltliner mit Einführung der Lenz Moser Hochkultur in den 50er Jahren an. Heute gibt es in Österreich, wo er die Hauptrebsorte ist, eine grosse Vielfalt der Klone und Selektionen. 20.864 Hektar (33 % der Rebfläche) sind damit bestockt vor allem in Niederösterreich (16.506 ha), im Burgenland (4.128 ha) und in Wien (216 ha). Grüner Veltliner wird aber auch in den angrenzenden Ländern, in Südmähren, in der Slowakei und im westungarischen Raum um Ödenburg angebaut. Mittelstarkes Wachstum, große kegelförmige Trauben. Mittelspäte bis späte Reife. Wegen der hohen Erträge ist eine Mengenreduzierung unbedingt notwendig. Die Beeren haben eine grünlich-gelbe Farbe und ein leicht pfeffriges Aroma, weshalb man auch von einem typischen „Pfefferl“ im Bukett spricht. Die Sorte gedeiht sowohl auf armen und mageren Böden wie auch auf fruchtbaren Böden, verändert dabei aber ihren Charakter so sind zum Beispiel die Urgesteinsverwitterungsböden der Wachau ebenso ideal wie die Lössterrassen im Kamptal und am Wagram, bringen aber Weine mit höchst unterschiedlicher Charakteristik hervor. 

Zur VeltlinerVerwandtschaft fand ich einen schönen Artikel von Dr. Michael Pronay, 2005:

Herkunftsmäßig verlieren sich die Spuren des Grünen Veltliners in grauer Vorzeit. Geographisch dürfte er tatsächlich aus Österreich stammen, auch wenn diesbezüglich nichts gesichert ist. Zwar deutet die Bezeichnung auf das oberitalienische Valtellina hin - und in der deutschsprachigen Schweiz heißen die dortigen Rotweine bis heute auch "Veltliner" -, aber der Grüne war dort nie heimisch. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hat der heute kaum mehr bekannte Agronom Johann Kaspar Schiller (der als Vater Friedrich Schillers einen Platz in der Literaturgeschichte hat) die in seinen "Ökonomischen Beiträgen" genannte Sorte, den Roten Veltliner, damit gemeint. Der aber wiederum ist nicht mit dem Grünen Veltliner verwandt, da ist sich die Ampelographie immer schon sicher gewesen.

Die heute möglichen genetischen Untersuchungen bestätigen die Erkenntnisse der früheren Ampelographen und ergänzen sie um einige weitere Mosaiksteinchen. Insbesondere hat sie die Rolle des
Traminers aufgedeckt, der selbst direkt von europäischen Wildreben abstammt. Der Traminer hat bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl heutiger Reben seine Finger - pardon, Gene - im Spiel. Mit der minder noblen, heute praktisch ausgestorbenen Sorte "ÖsterreichischWeiß" ist er für den Silvaner verantwortlich. Einer Kreuzung mit diesem entspross der FrühroteVeltliner, einer weiteren mit dem RotenVeltliner der Rotgipfler. Mit dem PinotMeunier (der Müllerrebe, in Württemberg unter dem missverständlichen Namen Schwarzriesling bekannt) wiederum steht er als Stammvater der Pinot-Sippe fest. (Die Pinot-Sippe wiederum steht als ein Elternteil des Chardonnay fest, der andere ist Gouvais/ Gwäss/Heunisch.)
Aus einem Traminer-Sämling entstand der SauvignonBlanc.

Beim Grünen Veltliner - und damit sind wir wieder bei unserem Thema - ist der
Traminer der halbe Elternteil; die andere Hälfte (war bis vor Kurzem unbekannt) ist die fast ausgestorbene Georgi-Rebe. Die schon früher vermutete Verwandtschaft zwischen Grünem Veltliner und Rotgipfler läuft also indirekt über den Traminer. Roter Veltliner hat auch Traminer als Vorfahr.

Nun gehört aber der Hälftevorfahr Traminer zweifellos zu den noblen Rebsorten - auch wenn sie heute nicht gerade hoch en vogue ist -, und auch die Liste der Nachfahren liest sich wie ein Rebsorten-Gotha. Es ist also durchaus kein Wunder, dass der Grüne Veltliner eine ganze Reihe nobler Eigenschaften aufzuweisen hat, auch wenn sie bislang eher im Verborgenen geblüht haben. Einzig die Langlebigkeit, die war - zumindest im Lande - längst bekannt. Der Veltliner erweist sich da mit schöner Regelmäßigkeit nicht nur dem Riesling, sondern den meisten anderen Rebsorten überlegen, das haben Weinproben aus legendären Beständen immer wieder ergeben.

Stichwort: Roter Veltliner

Artikel von Dietmar Bruckner , 2009:

Dr. Ferdinand Regner von der HBLA Klosterneuburg konnte Mitte der 90er-Jahre aufgrund seiner genetischen Untersuchungen an einheimischen Rebsorten zeigen, dass dem Roten Veltliner eine „bedeutendere Elternrolle zukommt, als man aufgrund seiner heutigen Verbreitung vermuten würde“.

Der Neuburger wurde früher gerne als Burgunderabkömmling gesehen. Ob seiner geringen Reputation hat man versucht, ihm als Grünburgunder neues Leben einzuhauchen. Er ist mit knapp 1.100 Hektar Rebfläche das am häufigsten anzutreffende Mitglied der Veltliner-Familie und entstammt einer Liaison mit dem Grünen Sylvaner.

Der Frührote Veltliner galt lange Zeit als der kleine Bruder des Roten Veltliners, mit deutlich über 600 Hektar steht er an zweiter Stelle; er entspricht ebenfalls einer Kreuzung mit dem Grünen Sylvaner. Dann kommt mit knapp 260 Hektar der Ahnherr selbst, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg dem Grünen Veltliner Platz machen musste.

In einem Weinbuch aus dem späten 17. Jahrhundert steht geschrieben, dass in Niederösterreich der Braune Veltliner (eine Spielart des Roten und heute nur noch in Spuren vorhanden) der „vorherrschende Satz“ war. Ausnahme war die Wachau, dort sorgte der Heunisch in seiner unnachahmlichen Art für den Spruch: „Sauer wie ein Wachauer.“

Der Rotgipfler ist definitiv eine Kreuzung Roter Veltliner mit Traminer und steht an vierter Stelle mit knapp 120 Hektar.

Auf nicht einmal 100 Hektar kommt schließlich der Zierfandler, bei dem die Elternschaft des Roten Veltliners mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, der zweite Elternteil hat Ähnlichkeit mit dem Traminer, harrt aber weiter der vollständigen Aufdeckung.

Der Vollständigkeit halber sei noch die Jubiläumsrebe (30 Hektar) erwähnt, bei der früher Blauer Portugieser und Blaufränkisch als Eltern angegeben wurden. Auch hier konnten Dr. Regner und seine Mitarbeiter Licht ins Dunkel bringen und eine Kreuzung aus Frührotem Veltliner mit Grauem Portugieser eruieren, was den Roten Veltliner in der Großelternrolle seinen Platz finden lässt.

Seit einiger Zeit geistert die Meldung durch das WorldWideWeb, dass der Rote diese Rolle evtl. auch beim Grünen Veltliner innehaben könnte, was von Regner „nie publiziert wurde“. Ganz im Gegenteil konnte er neben dem Traminer die Herkunft des zweiten Elternteils eingrenzen; dieser wurde nach seinem Auffindungsort „St. Georgen“ genannt. Von dieser weiterhin unbekannten Sorte führen keinerlei Spuren in Richtung Roter Veltliner, sodass der Grüne den Familiennamen Veltliner zu Unrecht trägt.

Also noch einmal in Kürze: Der Rote ist weder der „kleine Bruder“ des Grünen, wie immer noch gerne behauptet wird, noch steht Letzterer an der Spitze der Veltlinerfamilie – und aus.

Der Silvaner übrigens, diese urösterreichische Sorte, ist wohl Mitte des 17. Jahrhunderts nach Franken ausgewandert und fristet in Österreich mit 50 Hektar ein Dasein an der Wahrnehmungsschwelle.
Damit wissen wir zwar eine Menge über die genetische Potenz des RotenVeltliners, aber nichts über seine Herkunft. Dr. Regner meint, „dass er sicher von irgendwoher ins Land gebracht wurde“, würde das Valtellin aufgrund eigener Untersuchungen aber ausschließen. Spekulationen gehen „in Richtung Kroatien“, es steht aber auch zu befürchten, dass ob seines Alters keine genauen Angaben mehr gemacht werden können.

In Georgien existiert jedenfalls auch eine sehr ähnliche Rebe, die auf Georgisch auch Rotgipfler heißt, nicht unwahrscheinlich wäre diese Herkunft, würde man dieser Rebe anhand DNA die Vaterschaft nachweisen.


Heute erstreckt sich das Anbaugebiet von der Wachau  über das Kremstal, Kamptal, Weinviertel und den Wagram. Kleine Populationen sind in Wien in gemischt ausgesetzten Weingärten zu finden. Hauptanbaugebiet ist das westliche Weinviertel mit gut 100 Hektar und Hohenwarth als heimlicher Hochburg. Gute 80 Hektar stehen am Wagram, 30 im Kamptal, 20 im Kremstal. Kurioserweise stehen im Burgenland fast viermal so viel Rote-Veltliner-Stöcke wie Furmint. (Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1999 und stammen aus der „Dokumentation Österreichischer Wein 2007“ der ÖWM.
Die Sorte ist empfindlich gegen Frost und Pilzkrankheiten; im Zusammenspiel mit ihrer teilweise extremen Wüchsigkeit hat dies wahrscheinlich zum Rückzug gegenüber dem Grünen Veltliner geführt.

Anmerkung: die Wüchsigkeit (durch falsche Führung, zu intensive tiefe Bodenbearbeitung oder Massenklone) verursacht eigentlich die obengenannten Probleme, daher ist Biolog.Wirtschaftsweise der Ausweg, ähnlich wie unsere Vorfahren dies lange Jahrzehnte/Jahrhunderte gut im Griff hatten.